Schneeflöckchen, Weißröckchen…

…ich muss dir leider sagen: Du bist völlig unpraktisch und aus meiner Sicht in dem Ausmaß auch UNERWÜNSCHT, weil du erstens dafür sorgst, dass kein Mensch – der noch halbwegs alle Sinne beisammen hat – jetzt Rad fahren kann (und die lebensmüden Vollpfosten die es doch versuchen packen sich wegen dir gnadenlos auf die Fresse, hab ich selbst gesehen) und zweitens haste mich grade dazu gezwungen, die LÄNGSTE Busfahrt meines Lebens zu erdulden (mit dem Stadtbus, that is). Die Leute, die auf dem Bürgersteig NEBENHER GELAUFEN SIND, waren schneller als wir.

Es ist schon ein bisschen anstrengend, wenn eine Busfahrt doppelt so lange dauert, wie der Fußweg. Hätte ich das mal vorher geahnt… Ich war nämlich einfach gerade original 50 Minuten mit dem Bus unterwegs, von der Innenstadt bis zu meiner Haltestelle. Zum Vergleich: Zu Fuß dauert der Weg gute 25 Minuten – wenn man sich auf zwei gesunden Beinen und auf völlig vereistem Bürgersteig fortbewegt. Ich bin das grad vor ein paar Tagen zu Forschungszwecken mal abgelaufen („abgeschlittert“ wäre wohl treffender) und habe dabei die Zeit gestoppt. 25 Minuten. Zu Fuß. 50 Minuten. Mit dem Bus. Man glaubt es nicht.

Eigentlich wäre die ganze Sache ja gar nicht so tragisch – wäre Busfahren nicht so scheiße. Beziehungsweise, wären die Leute die da mitfahren nicht so scheiße. Zum Beispiel beschweren sich die im Alter schon etwas fortgeschritteneren Mitbürger ja gerne mal über die unmögliche, freche Jugend von heute. Dabei muss man leider sagen, die Alten von heute sind auch ziemlich unverschämt drauf. Da bekommt man auch gerne mal wortlos den Rollator samt dem praktisch-integrierten Alukörbchen stakkatoartig von hinten in die Kniekehlen gerammelt, was dann die subtile Aufforderung sein soll, den eigenen Stehplatz – den man aus Rücksicht bereits zu Beginn der Fahrt eingenommen hat – für das Ding samt Omma freizumachen. Gar keine Frage, gar kein Problem – dass man für solch ein Unterfangen aber vielleicht erst einmal aus der Sackgasse herausgelassen werden muss, die nun durch eine mit formschönem Kinderwagen einsteigende Mutti, der Bustür und der nonverbal drängelnden Rollator-Omma selbst entsteht, kommt der Dame dabei nicht in den Sinn. Einfach mal freundlich den Mund aufzumachen auch nicht. Nein, die Omma setzt lieber eine grimmig-entschlossene Miene unter ihrem schlecht eingefärbten Skalp auf und rammelt fleißig weiter, bis ich es endlich schaffe, mich mit einer völlig gequetschten Halbschraubendrehung aus dem Kinderwagen-Rammelrollator-Gefängnis zu befreien.

Zwei Haltestellen später möchte die Rollator-Omma aussteigen und obwohl ich IMMER – WIRKLICH AUSNAHMSLOS JEDER – Rollator-Omma und JEDEM Rollator-Oppa meine Hilfe beim Aussteigen anbiete, wenn ich daneben stehe, bleiben meine Lippen diesmal fest versiegelt. Ich gehe ganz nonverbal einen Schritt zur Seite und sehe ihr betont untätig und so gar nicht hilfsbereit beim Aussteigen zu. Mit meinem Gesichtsausdruck signalisiere ich ihr, dass ich finde, sie gehört übers Knie gelegt und insgesamt ist dies meine ganz eigene, persönliche, nonverbal-subtile Art diese Rammel-Omma mal so richtig schön durchzurammeln.

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