Ach ja, die Liebe…

…sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht, sie kann sich nicht entscheiden, alles nicht so einfach, vielleicht liebt sie statt ihm auch die Nachbarin, man weiß es nicht so genau, Pros und Cons und Gefühle noch dazu, haaach, diese Zerrissenheit, welch Weh, welch Jammer.

Hört sich an wie das Script einer Soap, passiert aber grade im echten Leben – glücklicherweise nicht in meinem, sondern in dem einer Bekannten einer Freundin. Ja, ganz richtig, die „ich kenne jemanden der jemanden kennt“ Nummer. Trotzdem bin ich so auf dem Laufenden über die Story, als wäre ich dabei. Live und in HD. Facebook und  Telefon machens möglich – und verschaffen mir heitere Minuten, in denen ich über anderer Leuts liebeskrankes Seelenweh amüsiert den Kopf schütteln kann. Besser als Kino, ich hab ja sonst nichts zu tun. Und nein, ich schäme mich nicht dafür zuzugeben, dass ich amüsiert bin, und nein, ich habe auch kein Mitleid. Kann ich für derlei Befindlichkeiten nicht aufbringen, denn so schwer ist es doch nicht. Entweder liebt sie den guten Jungen, oder nicht. Entweder liebt sie die Nachbarin, oder nicht. Aber diese ewige Sich-nicht-entscheiden-Könnerei macht mich bekloppt – selbst wenn es bei Leuten ist, die ich nicht mal persönlich kenne. Dabei ist das ja anscheinend ein jahrhundertealtes Problem, selbst Anna Karenina musste sich mit sowas rumschlagen. Und nun hat es eben auch besagte Bekannte der Freundin getroffen.

– Eine Frau gefangen zwischen zwei (irgendwie, halbwegs) geliebten Menschen, zerrissen, sich ihrer Gefühle ungewiss – verwirrt, verängstigt, verletzt. Und dennoch: sie muss sich entscheiden – wen wird sie erwählen?! Oder ist es vielleicht doch etwas ganz anderes, das sie so verzweifelt -und vergeblich- sucht?! Vielleicht – sich selbst?! Wer bin ich? Und wenn ja, wieviele?

Sie dachte angestrengt nach – hatte sie eigentlich schon jemals etwas für sich selbst getan? Weil nur sie es wollte? Aus einem inneren Verlangen heraus, gänzlich unbeeinflusst von etwas, das jemand tat, der ihr am Herzen lag und den sie nicht verlieren wollte?! Der Gedanke ließ sie nicht mehr los. Sie brauchte Stille. Zeit, um den Aufruhr ihrer Gefühle zu zähmen, sie musste die Außenwelt aussperren, sich zurück ziehen, Zuflucht suchen. Und plötzlich wusste sie – es gab nur eine Lösung, nur eine Möglichkeit endlich wieder Ordnung in dieses zermürbende Chaos ihrer Empfindungen zu bringen: Sie musste für sieben Jahre nach Tibet gehen. Denn was für Brad Pitt funktioniert hatte, das würde sicher auch ihr helfen zu sich selbst zu finden. Und wer weiß, vielleicht würde sie unterwegs sogar auf Edward Norton treffen! Der ist zwar verheiratet, aber vielleicht könnte sie ihn trotzdem dazu bringen, sich in sie zu verlieben und sie zu der neuen Partnerin an seiner Seite zu erwählen – scheiß auf erstmal zu sich selber finden, der Norton ist reich! Wer braucht schon inneren Frieden und Selbstfindung, wenn er Edward Norton hat?! Es war beschlossene Sache. Sie würde nach Tibet fahren. Kurzerhand packte sie das Nötigste in ihren kleinen blauen Rucksack -der Norton würde ihr schon eine ordentliche Garderobe kaufen, kein Grund, sich nun mit zu viel Gepäck zu belasten, ist ja auch alles schwer und muss getragen werden und das Gelände in Tibet ist ja nun auch nicht gerade besonders wegsam- sie schlüpfte in ihre warme Teddybärenfell-Jacke, schnürte sich die Schuhe zu, griff nach dem Schlüssel, trat in den Flur und ließ die Wohnungstür mit entschiedener Miene schwungvoll hinter sich ins Schloss krachen.

…To be continued.

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