Gaga

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Eine Freundin teilte kürzlich diesen Artikel der Zeit Online auf Facebook und wies in ihrer Comment-Zeile darauf hin, dass ihr diese ganze Gaga-Nummer doch ein wenig suspekt sei – ob sie alt werde?!

Eigentlich gehe ich ja davon aus, dass es jedem, der halbwegs bei Trost ist, suspekt sein muss, dass die Gaga hofft uns verkaufen zu können, wenn ihr ne Kunstkotzerin aufs Hemd reihere, werde sie selbst auch zu Kunst. Trotzdem scheint es aber eben doch Leute zu geben, die das anders sehen und in der Gaga den reinkarnierten Warhol vermuten. Da es nun ja bekanntlich in der Kunst nicht reicht zu sagen „das hätte ich auch gekonnt“, sondern man es eben tatsächlich auch MACHEN muss, und die Freundin und ich nicht auf den Kopf gefallen sind, haben wir einen Businessplan ausgearbeitet. Dieser soll es uns ermöglichen, auf die Welle der Bekloppten mit aufzuspringen und vielleicht ein bisschen was für uns rauszuholen. Für den Fall, dass Warhol sich tatsächlich in der Gaga niedergelassen hat und das Ganze noch größere Kreise zieht, kann das sehr rentabel sein. Auch langfristig gesehen.

Potential haben wir – mal abgesehen davon, dass wir unsere Chance gewittert haben – auch deshalb, weil besagte Freundin seit Kurzem Mama ist. Gemeinhin bringt dies mit sich, dass man früher oder später (hier selbstredend: früher) ein Kind hat, das Brei isst. Dieser Brei wird dann, so auch im Falle meiner Freundin, durch das Kind kreuz und quer durch die Küche gespuckt und gelegentlich, wie das bei Kleinkindern so üblich ist, auch wieder ausgekotzt. Alles was wir jetzt also tun müssen, ist, das Ganze ordentlich zu vermarkten. Dies beinhaltet, dass meine Freundin von nun an hin und wieder randomly  „Warhol“ und auch „fuck brei art, this is art brei!“ durch ihr Wohnviertel brüllen, sowie leere Breigläschen ansammeln wird. Diese wird sie natürlich nicht ausspülen, so dass der recht bald einsetzende Schimmel sich richtig schön und ungehindert entfalten kann. Auch vollgekotzte Klamotten werden aufbewahrt – kann man dann später alles teuer verkaufen, an Sammler und Verrückte.

Sind diese vorbereitenden Maßnahmen getroffen, brauchen wir für den weiteren Verlauf schließlich noch Zeugen für den art brei des Kindes. Diese erreichen wir, indem Freundin mit Kind zum Füttern demnächst einfach mal in den Brunnen in der Altstadt steigt, oder sich – während der Messe – auf den Altar im Münster stellt. Gerade bei Letzterem erhält die Aktion neben dem art-brei-Pop-Warhol Bezug auch nochmal einen wunderbaren Ikonen-Madonnen-Maria-Lactans Anstrich und verwurzelt Mutter und Kind durch die Referenz auf sowohl „alte“, als auch „neue“ Kunst gleich doppelt und dreifach im Kanon der Kunstgeschichte. Außerdem ist hier mit einem Hausverbot zu rechnen, was die Aktion noch medienwirksamer machen dürfte. Da wird es sich dann auch sogleich auszahlen – im doppelten Wortsinne – dass Freundin die schimmeligen Gläschen aufgehoben hat, denn es ist – neben der weiteren Referenz – immer gut, wenn vom „Happening“ noch was Handfestes übrig bleibt, das man als „Zeuge des Vergangenen“ in eine prominente Ecke eines Museums drapieren, oder wahlweise auch ganz einfach verkaufen kann – siehe oben.

In einem nächsten Schritt werden wir, ganz im Sinne der angestrebten stetigen Steigerung der Medienpräsenz, dem Kind sowohl einen Twitter, als auch einen Instagram Account anlegen und in seinem Namen gelegentlich etwas „Kontroverses“ posten – wobei es möglicherweise auch schon ausreicht, dass wir dem noch Unmündigen einen Account angelegt haben, das bleibt abzuwarten. – Wenn das Kind Kotzflecken schafft, die wir als abbildenswert beurteilen, werden Fotos davon natürlich ebenfalls sofort bei Twitter und Instagram gepostet und mit zeitgeistigen #Hashtags versehen. Sollte dem Kind eine besonders ästhetische Form des Kotzflecks gelungen sein, werden wir diese mit der Spiegelreflexkamera festhalten und Abzüge davon als hochwertige Hinterglasdrucke an Museen, Sammler und Galerien schicken, wodurch es dem Ray-Ban-bebrillten Bildungsbürgertum ermöglicht wird, ausführlich über die Farbgebung des ausgespuckten art breis zu diskutieren. Parallel dazu werden wir außerdem mit art brei bedruckte Buttons, recyclebare Jutebeutel und laktosefreie T-Shirts aus Sojafasern an fashionvictimige Hipster verkaufen – alles zu völlig fairen Preisen, versteht sich – und so dafür sorgen, dass wir sehr, sehr reich werden. Unfassbar reich. Lady Gaga reich.

Lucy Rose aufm Appletree 2014

Leute. Wenn ihr dieses Jahr das Glück habt, dem großartigen, zauberhaft-fabulösen Appletree Garden Festival beiwohnen zu können, müsst ihr bitte zur zuckertollen Lucy Rose hingehen und jede feenstaubige Silbe von ihr in euch aufsaugen, um diese dann anschließend in euren Einmachgläsern für Erinnerungen auf Ewig zu verwahren! Ich werde während des Konzertes im Geiste neben euch stehen – ach was, schweben! – und mir werden glitzernde Tränen des Glückes in solcher Fülle und mit solcher Wucht aus beiden Augen schießen, dass die Niagarafälle n Dreck dagegen sind und wie bei Alice im Wunderland werden dann alle auf kleine, bunte, flimmernde Schlauchboote umsteigen müssen, während die Veranstalter Angst um die Elektronik haben. Haaaaaaach – diese Sehnsucht.