Letzten Samstag

ist mir etwas Unglaubliches passiert. Ich habe einen Wettbewerb gewonnen. Für Literatur. Nachdem ich einen meiner eigenen, selbstgeschriebenen Texte auf einer Bühne vor Publikum vorgetragen habe. Auf einer Bühne. Vor Publikum.

Eingereicht hatte ich meinen Text eigentlich, weil ich annahm, der Wettbewerb würde hinter verschlossenen Türen in der Redaktion des Kulturmagazins der Uni entschieden, die für diesen Wettbewerb verantwortlich sind. – Was kann also schon passieren? Ich ärgere mich, wenn ich es nicht versuche und schlimmstenfalls sitzen die da in ihrem Büro und rollen mit den Augen über meinen haarsträubenden Text. Bestenfalls schafft es meine Kurzgeschichte aber mit ins Magazin und wird veröffentlicht. Das wäre schon irgendwie ziemlich gut.

Weniger gut fand ich es dann allerdings, dass wenige Tage später eine e-mail von besagter Redaktion in meinem Postfach einging, der ich entnehmen konnte, dass der Wettbewerb keineswegs hinter verschlossenen Türen stattfinden würde. Stattdessen würde er am kommenden Samstag während der Release-Veranstaltung zur neuen Ausgabe des Heftes ausgetragen werden. Auf einer Bühne. Vor Publikum. – Welches dann per Applausometer über uns und die Qualität unseres Erdachten richten würde.

Hätte ich mich, als ich die e-mail gelesen habe, nicht gerade in der Bibliothek befunden und mich mit dem letzten Rest meiner Selbstbeherrschung daran erinnert, dass das ein öffentlicher Ort ist, an dem man sich gefälligst zu benehmen hat, hätte ich den Abend sicher nicht mit Freunden und drei Bier – zur Beruhigung – im Blut auf dem Uni-Sommerfest verbracht, sondern quadratisch, praktisch, gut verschnürt allein in einer Zelle sitzend – und auf einem Stöckchen kauend.

Glücklicherweise war ich ja aber in der Bibliothek und glücklicherweise hat die Selbstbeherrschung nicht nur eingesetzt, sondern auch noch gereicht, um mich in die Arme meiner Freunde – und des Bieres – gelangen zu lassen. Und nachdem ich die Hysterie mit dem ersten Bier erfolgreich in die Form der mittleren Aufgeregtheit hinein zwingen konnte, habe ich entschieden, entgegen meines einzigen und unmittelbaren Impulses – Flucht! – zu handeln und es einfach zu machen. Wenn ich solch eine große, handschwitz-und-herzras-verursachende Panik allein bei dem Gedanken auf eine Bühne zu gehen verspüre, dann muss das bekämpft werden. Und da ich gerade sowieso eine handfeste Identitätskrise durchlebe, ist das die perfekte Gelegenheit, um die eigenen Grenzen zu verschieben und neu festzulegen.

Ich sage also nicht ab, sondern erscheine am Samstagabend pünktlich wie bestellt und unter Begleitschutz eines Freundes zum Händchen halten und aufpäppeln, mitsamt meiner vorbereiteten Textkarten in Schriftgröße 16 und mit 1,5 Zeilenabstand. Irgendwann geht es dann los, mit dem Wettbewerb, und zu diesem Zeitpunkt fühle ich nur noch Schicksalsergebenheit, aber keine richtige Aufregung mehr. Que sera sera. Das schlimmste, was passieren kann, ist, so habe ich vorher raisonniert, dass es keiner gut findet und demnach mit müdem, halbherzigem Applaus reagiert wird. Dass ich beworfen oder ausgebuht werden könnte, habe ich zwar ebenfalls in Betracht gezogen, aber schließlich als eher unwahrscheinlich eingestuft und mich daher innerlich auf eine verhaltene Reaktion des Publikums als worst-case-scenario vorbereitet. Egal wie es ausgeht, den Sieg über die eigene Angst werde ich auf jeden Fall davontragen.

Ich betrete also – auch noch als Erste – die Bühne, setze mich, trage meinen Text vor und konzentriere mich auf nichts mehr um mich herum, außer auf die Worte, die in Schriftgröße 16 geduldig an ihrem Platz auf meinen Karten warten, bis ich es mit meinen Augen und meiner Stimme zu ihnen geschafft habe. Tatsächlich ruhen sie da, zuverlässig und ganz ohne Tricks, sie springen nicht von einer in die nächste Zeile und sie tarnen sich auch nicht als etwas, das sie gar nicht sind. Zu meiner eigenen Verwunderung sind die Worte in diesem Moment mein Freund, ich verlese mich kein einziges Mal und finde nach den ersten zwei Zeilen, die ich etwas zu schnell vortrage, den Rhythmus, den die Worte und ich vorher zu Hause geübt haben. Schließlich ist die Geschichte zu Ende und selbst der Schlusssatz, der so schwierig zu betonen ist, weil er nicht verbittert oder anklagend gelesen werden darf, gelingt mir so, dass ich zufrieden sein kann.

Der Text ist zu Ende, meine Mutprobe bestanden und das Bewusstsein darüber, dass ich hier vor Leuten sitze, die jetzt reagieren werden, kommt zurück. Und die Leute reagieren. Nicht mit müdem Höflichkeits-Slow-Clap, sondern mit Klatschen, das als echter Applaus durchgeht – und am Ende tatsächlich dafür sorgt, dass es für mich und meinen Text zum Gewinnen des Wettbewerbs reicht.

Nicht mal die Idee hat in meinem Kopf existiert, dass ich eine Chance haben könnte, diesen Wettbewerb zu gewinnen. Selbst jetzt, eine Woche später, ist das immer noch nicht ganz zu mir durchgedrungen. Auch nicht, dass hinterher Leute zu mir gekommen sind und bereit waren, mit mir zu teilen, was sie an meinem Text berührt hat, welches die Momente waren, die sie selbst auch kennen. Mein Text hat Leute erreicht. Auf ganz verschiedenen Ebenen noch dazu – und das ist so ungefähr das schönste Gefühl, das ich seit sehr langer Zeit hatte. Und auch eins, das ich noch nicht kannte. Es gibt neuen Mut, zum Schreiben. Ansporn, zum Weitermachen. Unabhängig davon, ob mehr daraus werden kann, oder nicht. Und daher, danke, Persephonyx, dass ihr das möglich gemacht habt. Dass ihr uns eine Plattform gebt, die Worte, die in uns wohnen, nicht nur aufs Papier, sondern auch ans Tageslicht zu bringen, unter die Leute und an ihre Ohren. Und vielleicht, wenn es richtig gut läuft, sogar – oh, oh, – an ihre Herzen.

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High Five for Friday*

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* Yet again, another very belated High Five for Friday…

…but this gives me the chance to include what happend last night to my list and last night is definitely the highest High for a long time and it therefore must be included. As it is such a big deal to me and nothing that happend this week could possibly match this, I will bend the rules a little and make it some sort of an one-day-High-Five (eeeer, for Saturday). I hope, you will forgive me for this and understand, as you read on (if you should decide to read on).

1) I did win a literary contest last night, with one of my very own texts. Even now, in broad daylight, this feels surreal and I still can’t quite wrap my head around it. Even typing out these words now feels unreal. I never imagined, not even for one split second, that I would have the slightest chance to win this thing. The reason I took part and went, was because the mere thought of walking up on a stage and reading one of my texts out loud in front of a crowd who then would be the jugde of me and what I just shared with them, was horrifying. Pure, sheer, blank, total, utter horror. Thinking about it made my hands sweaty (we’re talking Niagara-Falls-sweaty) and my heart racing (race-horse racing), pounding with fear. So I decided, I would have to do it. If something scares you that much, you should just do it. Overcome the fear, grow. Even if people hate the text, there’s still the victory of overcoming the fear. So I did. I did go up there and read these words that came to me, so I could type them, erase them, put them back down again, shove them around, read them back to myself, switch them up again and eventually put a full stop at the end of it all.

2) I overcame the fear. I read my text, this carefully nursed baby of mine, this vulnerable thing that makes me oh so vulnerable, too. That baby I had to give up yesterday and share with other people, no longer belonging only to me, but making it theirs, too. Whether to hate it, to ridicule it, to roll their eyes at it – or to find something, to feel something, to remember something, to relate.

3) And people didn’t boo.

4) They actually started to applaud. Loudly. And the thought, that maybe they don’t hate my story, my early morning summer story, but actually somehow might like it, entered my mind.

5) When it was all over, some of the people came up to me to talk about the text and what they enjoyed about it and this made – and makes me still – just so incredibly happy – and thankful, that I can hardly find words to describe. Each of them had a different part they related to, they actually could relate to what I thought out in that funny little brain of mine. And they came to tell me about it, to share it with me. They did find something, feel something, remember something. Undoubtedly some of them rolled their eyes, too. But learning, that the majority of those people didn’t think it was pure rubbish what I produced, that it even touched them on some level, was such an incredibly amazing experience that I still feel quite bewildered and speechless. It is something that I will not ever forget.

So thank you, Persephonyx, for this evening and for the chance and opportunity to just put ourselves out there. Put our texts out there, whether it’s lyric or prose, and to share what we made up. And thanks to everyone who was willing to share, to come with me to face the blue infiniteness of the ocean on an early summer’s morning.

Happy Sunday xxx

Linking up with The Lauren Elizabeth for #H54F