Shorts am Sonntag

Geneigte Leserschaft,

ich fürchte, mein Beitrag zu den Sunday Shorts wird vor allem eines sein: extrem subjektiv. Und damit meine ich, ich bemühe mich hier nicht einmal um so etwas wie Objektivität – oder sagen wir lieber: ausgeglichenes Berichten (denn dass das mit der Objektivität eh immer so eine Sache ist – es gibt sie nicht – wissen wir ja alle). Auch wird man mir vielleicht Ahnungslosigkeit vom Metier vorwerfen, denn das, was ich über die Shorts zu sagen habe, scheint so gar nicht mit den Meinungen übereinzustimmen, die ich bisher zu den verschiedenen Kurzfilmen so gelesen habe. Aber nur weil der Mainstream eine Meinung vertritt, heißt das ja nicht, dass ich keine andere haben darf.


Human Voice

IT 2013, 25 Minuten
Regie: Edoardo Ponti
Mit: Sophia Loren, Virginia Da Brescia, Enrico Lo Verso

Ein-Personen-Stück, bei dem hauptsächlich telefoniert wird. Will heißen, Sophia Loren, die „glanzvoll auf die Leinwand zurück“ kehrt, ist es, die hauptsächlich telefoniert. Wenn sie nicht gerade nebenbei Einrichtung zertrümmert, oder der Köchin Anweisungen fürs Abendessen gibt. Nun. Ich weiß, es ist Sophia Loren, die hier spielt. Sie wird bis heute als Diva gefeiert. Auch hat sie für ihre Darstellung in Pontis Short den Donatella Award erhalten. Jedoch: Telefonieren überzeugend zu spielen, ist nicht einfach. Und die Diva ist daran gescheitert. Obwohl die Idee von Human Voice so viel Kraft hätte haben können, verliert diese sich in Lorens rostiger Darstellung.

Den Trailer zu Human Voice gibt es hier.


Crashland

D 2014, 29 Minuten
Regie: RP Kahl
Mit: Elsbeth Maschke, RP Kahl, Laura Tonke

Obwohl ich vollstes Verständnis dafür habe, dass man seiner Großmutter ein Denkmal setzen möchte, weil man sie liebt und weil sie viel erlebt und daher auch viel zu berichten hat, wirkt die Umsetzung dessen in Crashland doch etwas planlos. Aufhänger des Films ist die Zwangsumsiedelung vieler in der Lausitz, um dem Tagebau Platz zu schaffen. Unter den vielen ist eben auch Frau Maschke, die in verschiedenen schwarz-weiß Sequenzen berichtet, wie das damals so war. Unterbrochen werden diese Sequenzen von aktuellerem Videomaterial, das RP Kahl und Laura Tonke beim Begehen des verlassenen Braunkohleabbaugebiets zeigen, während sie sich mehr oder minder tiefgründig darüber austauschen, dass das ja ganz schön schlimm ist, so viele Menschen zu entwurzeln, nur damit dort dann noch mehr Braunkohle abgebaut werden kann. Unter dem Aspekt Suche nach „Heimat, Identität und Liebe“ wird das Ganze dann irgendwie zusammengeschraubt und als Videoessay deklariert, in der Hoffnung, dass die haarsträubende Planlosigkeit bei der Ideenumsetzung, sowie der unterirdisch grottige Ton nicht weiter auffallen und der Film vielleicht sogar irgendwie als Kunst durchgeht.

Den Previewclip zum Videoessay Crashland gibt es hier.


Sweet Gin & Cold Wine

IRN 2014, 25 Minuten
Regie: Amin Maher
Mit: Amin Maher, Hoda Taheri

Für diesen Film kann ich keine Worte finden. Ich sehe mich an ihm gescheitert. Die Worte, die man beim Filmfest gefunden hat, lauten:

„Umgeben von den Verlockungen der glitzernden Welt westlicher Konsumkultur müssen Amin und Hoda ihre Beziehung immer wieder aus den Fesseln althergebrachter Moralvorstellungen befreien. Ein Streit, ein paar Gläser zu viel und Amin spielt sich in eine neue Beziehung – mit einer Schaufensterpuppe. Ganz im Gegensatz zu Hoda ist die Neue zu allem bereit. Und sie redet nicht so viel.

Ein verschmitztes Portrait einer jungen Generation im Aufbruch.“

Wenn man das so liest, ist das ziemlich schlüssig. Allein, erschlossen hat sich mir dies aus der Storyline des Filmes nicht – und das klingt deutlich ignoranter, als ich es meine.
Was ich meine, ist, ich hab das einfach nicht so richtig kapiert.
Ich verbleibe daher mit Verwirrung, sowie der Unfähigkeit, selbige trotzdem noch in einen credibilen Beitrag zu Mahers Short zu verwandeln.

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