Closing Night Gala

Liebe Filmfest-Fangemeinde,

endlich möchte ich auch noch einige Worte über die Closing Night Gala im Oldenburgischen Staatstheater verlieren und meinen Bericht über das
21. Internationale Filmfestival Oldenburg damit gen Abschluss bringen.

Man stelle sich vor, rote Sessel, Stuck und mächtige Kronleuchter können in der Tat für einen Hauch von Gala sorgen. Und wenn ich schreibe „Hauch“ dann meine ich „ordentliche Brise“. Für mich vor allem deshalb, weil ich es der Ticket-Panne am Nachmittag ironischerweise zu verdanken hatte, dass mir letztlich ein exzellenter Platz im Parkett angeboten wurde, der nicht nur inmitten der nominierten Filmemacher- und Schauspielerriege situiert war, sondern von dem aus ich auch einen hervorragenden Blick auf das Geschehen insgesamt hatte. Während also wichtige Reden gehalten wurden – man kennt das ja zur Genüge – habe ich Celebrities geguckt. Das Vergnügen hat man in der geballten Form, wie ich sie an diesem feinen Sonntag Abend erleben durfte, ja eher selten. Ich komme aber nicht umhin festzustellen: Alles ganz normale Leute. Bis auf die natürlich, denen ihr Bedürfnis auch zum Inner Circle der Filmis zu gehören etwas zu schaffen macht, und die das durch besonders engagiertes Klatschen, Zwischenrufe und sonstige Begeisterungsäußerungen irgendwie ausgleichen müssen.

Am schönsten zu beobachten war an diesen Abend eindeutig Victoria Schulz, die für ihre Outstanding Performance in Froschs Von jetzt an kein Zurück mit dem Seymour Cassel Award ausgezeichnet wurde. Echt überrascht, echt gefreut, echt sympathisch. Besonders in dem Moment, in dem sie die Tränen vor Rührung nicht mehr zurückhalten kann und sich gleichzeitig ärgert, nun doch dem „Klischee“ den Raum gegeben zu haben. War aber gar nicht so klischee, sondern einfach authentisch. Allein wegen dieser schönen Freude gönnt man ihr die Auszeichnung von Herzen, aber natürlich auch, weil sie die „Ruby“ schon irgendwie gut gespielt hat.

Ansonsten durften die Tschechen Michal Samir (Regisseur) und Matej Chlupácek (Produzent) über den Erhalt des German Independence Award Publikumspreises für HANY als besten Film jubeln, ebenso wie der belgische Regisseur Kevin Meul sich darüber freuen konnte, dass sein Cadet mit dem German Independence Award für den besten Kurzfilm ausgezeichnet wurde.

Für weitere Einzelheiten zu den Preisen und Gewinnern klicke man hier. Für weitere Bilder der Herrschaften hier.

Und während sich unmittelbar nach der Verleihung Teile der Filmprominenz dezent aus dem Saal stahlen, wurde für den restlichen Pöbel noch ein letztes Mal der Projektor angeworfen: Jack ist der Abschlussfilm des diesjährigen Filmfests und beschert nun jenen, die nichts weiter zu feiern haben, nochmals 103 Minuten in den dekadenten roten Sesseln des Staatstheaters.

.

Jack

D 2014, 103 Minuten
Regie: Edward Berger
Mit: Ivo Pietzcker, Georg Arms, Nele Müller-Stöfen

Jack ist zehn. Er ist der ältere von zwei Söhnen einer Mutter, die selbst noch nicht älter als Mitte zwanzig ist – und sich auch genauso verhält, wie sich Mittzwanziger eben so verhalten – wenn sie keine Kinder haben. Dass das nicht gut gehen kann, wird relativ zügig relativ deutlich. Und es führt letztlich dazu, dass wir Jack – zunächst allein, später gemeinsam mit seinem kleinen Bruder – dabei zusehen, wie er versucht, sich ein bisschen kleine heile Welt im großen Berlin zurückzuerobern. Jack kommt ohne große Worte aus. Stattdessen leben die 103 Minuten Spielzeit von ihm und seiner Suche nach dem, was Kinder am Nötigsten brauchen. Geborgenheit.

.

Der Abspann läuft und ich kann, wie so oft, noch nicht richtig wieder auftauchen.

Das ist auch so ein Phänomen im Kino: Ich verstehe nicht, wie Leute unmittelbar nach der letzten Sekunde Film – der Abspann läuft gerade erst an – schon wieder reden können. Noch dazu über das gerade Gesehene. Wenn der Film kein totaler Trash war, verdient er es, noch nachzuhallen – ohne dass er sofort zerquatscht wird. Dafür gibt es ja den Abspann. Für den Nachhall. Aus diesem Grund wird er auch meist noch mit Musik unterlegt, die, im Idealfall, die Stimmung der letzten Sekunden Film hinüberrettet, in die Aufwachphase. Jene Phase, in der man dem Film und der Stimmung noch nachspüren kann, während man vielleicht liest, wer beteiligt war und während man sich wieder daran erinnert, dass das Fiktion war, was man gerade gesehen hat. War ein Film nämlich richtig gut, hat man das zwischendurch vergessen. Wer allerdings nicht nachhallen lassen kann oder will – und das scheinen mir sehr oft sehr viele zu sein – der sollte dennoch aus Respekt denen gegenüber, die noch einen Moment brauchen, einfach mal die Luke dicht halten. Wer das Schweigen nicht ertragen kann, kann ja derweil was in sein Smartphone tippen. So zerschießt man denen, die noch hallen lassen, die Seifenblase nicht früher, als nötig. – Ich möchte deine Meinung erst hören, wenn ich meine eigene kenne. Danke.

Schließlich hilft aber alles nichts, der Abspann ist abgespannt und Jacks „Eltern“ Machura, Krüger, Berger und Heyer kommen auf die Bühne, um noch einmal die Werbetrommel zu rühren und ein paar Sätze über den Film zu verlieren. Blumensträuße und Lob werden verteilt und schließlich beendet Festivalleiter Torsten Neumann den Abend offiziell mit ein paar unspäktakulär wagen Sätzen zum Abschied. Große Redner klingen anders – und hätten das Ende vielleicht noch etwas mehr gemolken, aber wenn das Licht angeht und die Türen auf, versteht man auch ohne weitere Worte, dass das jetzt offiziell das Ende war.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s