Liebe

F / D / AT 2012, 127 Minuten
Regie: Michael Haneke
Mit: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert

Wer wissen will, was Liebe ist, der schaut sich Hanekes Amour an. So einfach.

Und ja, dass das für alle, die den Film schon kennen, keine neue Erkenntnis ist, ist mir bewusst. Ich habe mich bis gestern vor diesem Film erfolgreich gedrückt, weil ich sehr genau ahnte, was er mit mir machen würde – und ich habe Recht behalten. Es gäbe noch so viel mehr zu diesem Film zu sagen, aber manchmal ist es am besten, einfach nichts zu sagen. So wie das Kinopublikum gestern einfach nichts gesagt hat, bis auch wirklich die allerletzte Sekunde des Abspannes vorbei war. Noch nie habe ich erlebt, dass ein Saal voller Menschen diesen Respekt sowohl für einen Film, als auch füreinander aufbringt. Den Respekt, bis zum Ende zu schweigen. Und dafür sage ich – Dankeschön.

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Briefe aus dem Off – #2

Liebe aggro Fahrrad-Frau,

wenn sich jemand, so wie beispielsweise heute ich, versehentlich auf der falschen Seite des Radweges eingeordnet hat, dann ist das zugegebenermaßen etwas unglücklich. Es sollte nicht passieren, es kann aber passieren – so wie im Leben eben manchmal Fehler passieren, wenn man eine Situation nicht rechtzeitig und vollständig überblickt. Und wenngleich ich auch finde, dass es wichtigere Dinge gibt, über die man sich aufregen könnte – zumal für dich trotz meines Fehlverhaltens keinerlei Gefahr bestand – kann ich verstehen, dass du dich darüber ärgerst, dass mir dieser Fehler unterlaufen ist. Was ich aber absolut nicht verstehen kann, ist, dass du wie besessen klingelnd auf mich zusteuerst und mich dann ernsthaft als „Du blöde Kuh!“ beschimpfst, während du an mir vorbeifährst.

Weswegen ich mir hier im Übrigen ebenfalls einmal erlauben will, dich zu duzen.

Da ich nicht sicher bin, ob du noch gehört hast, wie ich dir nachgerufen habe, dass du mich trotz allem nicht beleidigen musst, möchte ich es dir an dieser Stelle noch einmal sagen. Ergänzt um die höfliche Bitte, das gelbe Gift, das offensichtlich in dir kocht, nicht mehr so freigiebig an deine Mitmenschen zu verspritzen. Die Situation rechtfertigt nämlich ein derartiges Verhalten nicht. Stattdessen würde ich dir empfehlen: Tu was gegen das Gift! Geh zum Seniorensport. In die Gymnastikgruppe. Werd Mitglied im Schachclub. Lern wie man Stockkampf macht, verkleide dich als Sailor Moon, fahr ins Grüne, geh in nen Chor – Es ist mir rotz-egal was du mit deinem Leben machst, aber kack mir nicht ans Bein, so dass ich Brocken kotzen will, weil ich auch jetzt, Stunden später, immer noch an dich denken muss.

Hätte ich einen Wunsch frei, dann würde ich Menschen wie dir mal ordentliche Manieren wünschen. Und hätte ich noch einen zweiten, dann wäre er, niemals so zu werden, wie du.