Bel Ami

Großbritannien 2011, 102 Minuten
Regie: Declan Donnellan, Nick Ormerod
Mit: Robert Pattinson, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas, Christina Ricci, Colm Meaney

Kurzweilige und teilweise amüsante Adaption von Guy de Maupassants 1885 erschienenem gleichnamigen Roman. Robert-Pattinson-Fans kommen auf ihre Kosten, alle anderen finden aber sicherlich auch eine andere Beschäftigung, um 102 Minuten sinnvoll auszufüllen.

Advertisements

En kongelig Affære

Dänemark/Tschechische Republik/Schweden/Deutschland 2012, 137 Minuten Regie: Nikolaj Arcel Mit: Mads Mikkelsen, Alicia Vikander, Trine Dyrholm, David Dencik, Mikkel Boe Følsgaard

Die Story ist zwar nicht neu – verbotene Liebe, Politik und Intrigen – aber dafür fabelhaft umgesetzt. Schon bei der ersten Szene bekommt man dank der unglaublichen Stimme von Caroline (Alicia Vikander) eine Gänsehaut die sich gewaschen hat – und auch der Rest des Films kann mehr als nur überzeugen. Großartig gemacht und ein persönliches Highlight der Berlinale.

Cherry

USA 2011, 102 Minuten
Regie: Stephen Elliott

Mit: Ashley Hinshaw, James Franco, Heather Graham, Dev Patel, Lili Taylor

Zahlreiche Problemthemen werden hier angeschnitten – alkoholkranke Mutter, gewalttätiger Vater, die kleine Schwester mittendrin, ein schief gewickelter Freund, der Angelina alias Cherry zu Nacktaufnahmen überreden will – jedoch wird nichts davon für den Film fruchtbar gemacht. Cherry scheint es weder schwer zu fallen, nach ihrem Umzug nach San Francisco Fuß in einer neuen Stadt zu fassen, noch hat sie Probleme, einen neuen Mann kennenzulernen und ihm zu vertrauen. Der Nacktbild-Freund wird von Cherry nach ihrem Wohnortswechsel kurzerhand durch einen ewig koksschniefenden Yuppie-Mann ersetzt und auch als das Geld knapp wird und sie beschließt in die Pornoindustrie einzusteigen, zeigt Cherry bei ihrem ersten Auftritt vor der Kamera keinerlei Ladehemmungen. Ausziehen und masturbieren? Kein Problem, here she comes. Als sich der Koksschleier des Yuppie-Freundes für einen kurzen Moment lichtet, wird ihm klar was seine Freundin neuerdings tut und beschließt, dass ihm das nicht gefällt. Aber auch das kann Cherry nicht kleinkriegen, sie wird einfach lesbisch – schließlich waren ihre beiden Kerle eh echte Pfeifen und bei der neuen Freundin gibt es wenigstens immer frisches Obst zum Frühstück. Einziger Lichtblick: Heather Graham – souverän gespielt.

Die Lage

Deutschland 2012, 74 Minuten
Regie: Thomas Heise

Heise beweist hier unglaubliches Auge fürs Detail und fabelhaftes Gespür für kleine, eigentlich unauffällige Alltagssituationen, die aber dadurch, dass Heise sie einfängt und für sich selbst stehen lässt, Aussagekraft bekommen und sich selbst kommentieren. Unaufgeregt, leise und oft wunderbar ironisch.

My Brother the Devil

Großbritannien 2011, 112 Minuten
Regie: Sally El Hosaini
Mit: James Floyd, Saïd Taghmaoui, Nasser Memarzia, Fady Elsayed

So unglaublich ästhetisch. Jede Einstellung, jede Szene ist wie eine vollständig durchkomponierte Fotografie, perfekt ausgeleuchtet und atemberaubend. Schöne Bilder, gute Story, wahnsinnig authentisches und intensives Spiel der Schauspieler, einfach großartig. Danke, Sally El Hosaini.

Captive

Frankreich/Philippinen/Deutschland/Großbritannien 2011, 120 Minuten
Regie: Brillante Mendoza
Mit: Isabelle Huppert, Katherine Mulville, Marc Zanetta, Maria Isabel Lopez, Rustica Carpio

Eigentlich ist Captive sehr intensiv, an den richtigen Stellen ironisch und gut gemacht, jedoch wirkt er durch die Häufigkeit der Schießereien und die dauernd fehlschlagenden Befreiungsversuche der Geiseln durch die Milizen etwas übertrieben. So übertrieben, dass sich der Rezipient nach einer gewissen Zeit, die sich passenderweise ebenfalls anfühlt wie Geiselhaft, verzweifelt stöhnend die Hand vor die Stirn schlagen möchte. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.

Extremely Loud & Incredibly Close

Letzter Tag. Ich weiß, es klingt kitschig und auch ein bisschen naiv, aber es ist wirklich ein Erlebnis, diesen Film zum Abschluss noch mal im Berlinale Palast sehen zu dürfen – an dem Ort, wo all die großen Premieren und die Preisverleihung stattgefunden haben. Das Gebäude ist wirklich beeindruckend, das kann man nicht anders sagen. Allerdings ist nicht nur das Gebäude beeindruckend, sondern auch Daldrys Extremely Loud & Incredibly Close. Das Ding kommt unverkennbar aus der Traumfabrik Hollywood, dennoch ist es irgendwie ein bisschen anders. Besonders das Spiel von Thomas Horn geht unter die Haut und rührt wiederholt zu Tränen. Beeindruckender Film und sehr großartig gemacht.

 

Schlange stehen II

Der Mensch ist egoistisch und ausschließlich auf sein eigenes Wohl bedacht. Widerlich, wie sich das beim Schlange stehen seinen Weg an die Oberfläche bahnt und die papierdünne Schicht, die das innere Übel des Menschen sonst notdürftig verdeckt, mit kotzstrahlartiger Energie durchbricht und alle trifft, die nicht man selbst ist. Als hätten sie ihr Gehirn beim Abholen der Karte am Ticketschalter gelassen.