Liebe

F / D / AT 2012, 127 Minuten
Regie: Michael Haneke
Mit: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert

Wer wissen will, was Liebe ist, der schaut sich Hanekes Amour an. So einfach.

Und ja, dass das für alle, die den Film schon kennen, keine neue Erkenntnis ist, ist mir bewusst. Ich habe mich bis gestern vor diesem Film erfolgreich gedrückt, weil ich sehr genau ahnte, was er mit mir machen würde – und ich habe Recht behalten. Es gäbe noch so viel mehr zu diesem Film zu sagen, aber manchmal ist es am besten, einfach nichts zu sagen. So wie das Kinopublikum gestern einfach nichts gesagt hat, bis auch wirklich die allerletzte Sekunde des Abspannes vorbei war. Noch nie habe ich erlebt, dass ein Saal voller Menschen diesen Respekt sowohl für einen Film, als auch füreinander aufbringt. Den Respekt, bis zum Ende zu schweigen. Und dafür sage ich – Dankeschön.

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Philomena

Großbritannien 2013, 98 Minuten
Regie: Stephen Frears
Mit: Judi Dench, Steve Coogan, Anna Maxwell Martin

So. Geht euch mal bitte alle Philomena angucken. Aber OV. Und bringt Taschentücher. Mehrere. – Packungen, that is. Und was zum Make-up reparieren. Oder wahlweise auch: zum Bart abtrocknen. Es gilt nämlich Ströme von Tränen aufzusaugen. Solche, die beim Lachen entstehen, aber auch jede Menge von denen, die man aus Trauer verweint. Und außerdem spielt Judi Dench. Es gibt nicht mehr zu sagen.

Gravity

USA 2013, 91 Minuten
Regie: Alfonso Cuarón
Mit: Sandra Bullock, George Clooney, Ed Harris

Ich weiß nicht genau, warum ich so lange gebraucht habe, aber ich habe nun endlich mein Gravity-Defizit aufgeholt – und ich kann mit Sicherheit sagen, dass dieser Film eines der  krassesten Augen-Ohren-Gefühle-Bretter ist, die ich in letzter Zeit zu Gesicht bekommen habe. Dieser Film lebt ganz klar von seinem Schauplatz und der Bewegung darin. Und er lebt von den Ängsten, die für uns Zuschauer damit verbunden sind.

Wenn du im All verloren gehst, dann bist du nicht nur verloren gegangen, dann bist du erledigt. Du bist allein und du bist erledigt. Du bist aber jetzt noch nicht tot – sondern erst gleich, du hast nämlich noch genau genug Sauerstoff übrig, um dir in aller Seelenruhe selbst beim Sterben zuzusehen, während du ganz allein durch schwarzes, unendliches Nichts treibst. Dass wir als Zuschauer eigentlich im bequemen Kinosessel sitzen, statt mit der Gewissheit des bevorstehenden Todes durchs All zu schleudern, spielt dabei keine Rolle. Cuarón und Bullock sorgen dafür, dass wir es vergessen – und zwar ab der ersten Sekunde. Schon der Text, mit dessen Einblende der Film beginnt, holt uns ab, um uns mit sich in das dunkle Nichts zu ziehen. Umgeben von Schwärze und vollkommener Stille tauchen mit bedrohlicher Ruhe weiße Buchstaben auf und fügen sich zu etwas zusammen, das wir längst wissen:

„At 372 Miles above the earth there is nothing to carry sound. No air pressure. No oxygen. Life in space is impossible.“

Wir hängen jetzt mit drin, es gibt kein Zurück. Wir hängen so tief mit drin, dass wir stellenweise sogar mit in Bullocks Raumanzug stecken und durch ihr Visier auf das blicken, was vor ihr liegt. Wie für sie gibt es auch für uns sehr bald schon kein Oben und kein Unten mehr – und dass das so ist, ist Cuarón zu verdanken, der sich, um diesen Film so umsetzen zu können, wie er nun geworden ist, eine ganze Reihe raffinierter, neuer Technik an die Hand geholt hat. Was es mit dieser Technik aber genau auf sich hat, sollte man sich lieber erst anschauen, wenn man den Film – der im Übrigen unbedingt auf einer großen Leinwand gesehen werden muss – schon kennt. Es wäre einfach zu schade, nähme man sich durch dieses Wissen die Möglichkeit, sich komplett und vollständig aus dem Sitz blasen zu lassen, während Sandra Bullock gegen ihren Kopf und wider besseren Wissens darum kämpft, nicht verloren zu sein.

 Making-Of Gravity

 

The Wolf of Wall Street

USA 2014, 180 Minuten
Regie: Martin Scorsese
Mit: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey

Sowohl der Hype um Scorseses aktuelles must see, als auch der Trailer dazu selbst versprechen für meinen Geschmack deutlich mehr Tempo und Eskalation, als es dann in den 3 Stunden Film tatsächlich zu sehen gibt. Klar: Es ist unbestritten ein Endlos-Trip aus Nutten, Koks und Money und auch der gute Leo spielt hervorragend wie eh und je, ihm zuzusehen ist eine wahre Freude, daran ist nicht zu rütteln. Aber irgendwie hätte ich mir vom Wolf doch noch ein bisschen mehr Flash Boom Bang erwartet. Sowohl im Auf- als auch im Abstieg. In die große Hysterie um diesen Blockbuster kann ich also nicht so richtig einsteigen. Das war ein ordentlicher Film – mit zuweilen grandiosen Szenen – aber es fehlt mir trotzdem was. An der Besetzung wird das allerdings nicht liegen, neben dem immer brillanten DiCaprio und dem immer noch etwas zu schmalen McConaughey, der zwar nur kurz, aber dafür eindrucksvoll auftritt, gibt es nämlich außerdem auch noch die wahrscheinlich schönste Frau der Welt zu sehen – Margot Robbie. Das fabelhafte an dieser fast schon überirdischen Frau ist, dass man ihr nicht nur sehr sehr gerne ebenfalls Koks von ihren perfekten Brüsten schniefen möchte, sondern dass sie außerdem auch ziemlich gut schauspielern kann.

Prisoners

USA 2013, 153 Minuten
Regie: Denis Villeneuve
Mit: Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Viola Davis

Zwei Mädchen, die spurlos verschwinden, ein Detective, der bisher jeden seiner Fälle lösen konnte, ein Verdächtiger, der wieder laufen gelassen werden muss und ein Vater, der damit ganz und gar nicht einverstanden ist und beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Der Titel von Villeneuves Thriller hält wahrlich, was er verspricht – und zwar auf allen Ebenen. Denn hier werden nicht nur die Figuren zu Gefangenen, sondern auch der Zuschauer wird 153 Minuten lang nicht mehr losgelassen. Der Druck steigt von Minute zu Minute, wie im Schraubstock eingeklemmt sind wir, die Zeit läuft allen davon und die Machtlosigkeit, die man zu empfinden gezwungen wird, drückt einem die Luft ab. „Ich kann nicht mehr, bitte hör doch endlich damit auf!“ will man der Leinwand verzweifelt entgegenbrüllen – doch selbst wann man das täte (und einen Rausschmiss aus dem Saal riskierte) würde es nicht helfen, denn es hört nicht auf. Er hört nicht auf. Weil er nicht kann. Bis an die Grenzen des Aushaltbaren werden wir zusammen mit dem Vater Keller Dover getrieben – und darüber hinaus. Keine Chance gibt es, zum Aufatmen, zum Hoffen, und immer stärker wird die schreckliche Gewissheit, dass es keine Gewissheit und auch kein Wissen mehr gibt. Und am Ende, wenn das Licht angeht und die Türen auf, wenn wir aus unserem Kinosessel hochtauchen und feststellen, dass alles nur ein Film war, dann ist da nichts, das uns tröstet – und wir bleiben zurück mit unseren Fragen – den Fragen an uns selbst.

Film is where your heart is

Ein Gespräch heute hat mich dazu bewogen, nun doch einige der Texte herzuzeigen, die während der Berlinale 2012 entstanden sind. Es sind unmittelbare Eindrücke, kleine Reviews und Gedankenfetzen – natürlich zu Filmen, die ich während der Berlinale gesehen habe.

Zunächst habe ich gezögert, diese Filmtexte in einem anderen Kontext – also hier – herzuzeigen, aber als ich sie noch einmal durchgegangen bin, um sie zu sichten und eine Auswahl zu treffen, habe ich mich wieder daran erinnert gefühlt, welche Freude es war, diese Texte zu verfassen – entweder spontan und unmittelbar nach einem Film, oder aber mit ein bisschen mehr Abstand am Abend des Berlinale Tages. Daher habe ich beschlossen, dass ich das Schreiben über Filme nicht lassen sollte, nur weil ich nicht mehr auf der Berlinale unterwegs bin – bzw. es eine Weile dauert, bis ich vielleicht wieder die Möglichkeit habe, mich dort herum zu treiben. Ich werde also diesen Blog hier – und die Freude am Schreiben selbst – zum Anlass nehmen, auch weiterhin den ein oder anderen Text zu Filmen zu verfassen, die ich sehe und die mich in irgendeiner Form so beschäftigen, dass ich etwas über sie aufschreiben möchte – denn: Film is where your heart is.

Gesammelt werden diese Texte dann in der Kategorie Film // Schreiben.