Ende des Festivals

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Mesdames et messieurs,

damit, die Closing Night Gala und Jack in Worte gefasst zu haben, komme ich nun endgültig zum Ende meines Festivalberichtes. In der Tat waren es fünf sehr aufregende Tage, die ich dankbar bin, miterlebt haben zu dürfen. Mein Experiment des möglichst zeitnahen Berichtens war, das muss ich mir leider eingestehen, nicht so erfolgreich, wie ich es mir gewünscht hätte, denn gerne hätte ich meine Beiträge schneller geliefert. Um aber den Filmen, besonders jenen, die mich tatsächlich nachhaltig beeindruckt haben, gerecht werden zu können, brauchte ich die Zeit, die ich mir als mein eigener Redakteur nun zugestanden habe. Das Ergebnis sind Texte, die ich mit einem guten Gewissen hier stehen lassen kann, da ich die meisten von ihnen eben nicht auf dem Weg von einer in die nächste Spielstätte in mein Handy kloppen musste, sondern denen ich etwas mehr Raum für ihre Entstehung geben konnte, als einen 15-minütigen Fußmarsch von Kino zu Kino.

Abschließen will ich, liebe Filmfest-Freunde, nun noch mit einem Dank an den STAFF des Oldenburger Filmfestivals 2014. Zum großen Teil bestehend aus Praktikanten – und wie die bezahlt werden, wissen wir ja alle! – die in wahnsinnigen 16-Stunden-Mörder-Schichten diese fünf Tage voller Filmglitzer auf ihren Schultern getragen und balanciert haben. Ohne sie hätte das Filmfest so nicht funktionieren können. Ohne sie wäre kein Trailer entstanden, es wären keine Filme zu den Spielstätten transportiert worden, niemand wäre an seine Akkreditierungen oder Tickets gekommen, keine VIP-Filmis wären mit freien Drinks versorgt oder sonstwie betüddelt worden, nur wenige hätten ihren Weg reibungslos von A nach B zurückgelegt und niemand hätte angeraunzt werden können, wenn etwas nicht voll nach Plan lief.

Und das, geneigte Leserschaft, ist nur ein Bruchteil dessen, was diese jungen Leute geleistet haben. Nicht nur in den fünf Tagen vom 10. – 14. September, sondern auch schon Wochen und Monate vor der Eröffnung des Filmfestes. Es ist ja nicht so, dass sich so etwas ohne Büroarbeit und ganz von selbst organisiert.

Ihr, Leute, habt das Filmfest gestemmt. Und es war großartig. Und dafür sage ich:

Danke!

Feiert euch. Lange und ausgiebig. Ihr habt es euch wahrlich mehr als verdient.

Closing Night Gala

Liebe Filmfest-Fangemeinde,

endlich möchte ich auch noch einige Worte über die Closing Night Gala im Oldenburgischen Staatstheater verlieren und meinen Bericht über das
21. Internationale Filmfestival Oldenburg damit gen Abschluss bringen.

Man stelle sich vor, rote Sessel, Stuck und mächtige Kronleuchter können in der Tat für einen Hauch von Gala sorgen. Und wenn ich schreibe „Hauch“ dann meine ich „ordentliche Brise“. Für mich vor allem deshalb, weil ich es der Ticket-Panne am Nachmittag ironischerweise zu verdanken hatte, dass mir letztlich ein exzellenter Platz im Parkett angeboten wurde, der nicht nur inmitten der nominierten Filmemacher- und Schauspielerriege situiert war, sondern von dem aus ich auch einen hervorragenden Blick auf das Geschehen insgesamt hatte. Während also wichtige Reden gehalten wurden – man kennt das ja zur Genüge – habe ich Celebrities geguckt. Das Vergnügen hat man in der geballten Form, wie ich sie an diesem feinen Sonntag Abend erleben durfte, ja eher selten. Ich komme aber nicht umhin festzustellen: Alles ganz normale Leute. Bis auf die natürlich, denen ihr Bedürfnis auch zum Inner Circle der Filmis zu gehören etwas zu schaffen macht, und die das durch besonders engagiertes Klatschen, Zwischenrufe und sonstige Begeisterungsäußerungen irgendwie ausgleichen müssen.

Am schönsten zu beobachten war an diesen Abend eindeutig Victoria Schulz, die für ihre Outstanding Performance in Froschs Von jetzt an kein Zurück mit dem Seymour Cassel Award ausgezeichnet wurde. Echt überrascht, echt gefreut, echt sympathisch. Besonders in dem Moment, in dem sie die Tränen vor Rührung nicht mehr zurückhalten kann und sich gleichzeitig ärgert, nun doch dem „Klischee“ den Raum gegeben zu haben. War aber gar nicht so klischee, sondern einfach authentisch. Allein wegen dieser schönen Freude gönnt man ihr die Auszeichnung von Herzen, aber natürlich auch, weil sie die „Ruby“ schon irgendwie gut gespielt hat.

Ansonsten durften die Tschechen Michal Samir (Regisseur) und Matej Chlupácek (Produzent) über den Erhalt des German Independence Award Publikumspreises für HANY als besten Film jubeln, ebenso wie der belgische Regisseur Kevin Meul sich darüber freuen konnte, dass sein Cadet mit dem German Independence Award für den besten Kurzfilm ausgezeichnet wurde.

Für weitere Einzelheiten zu den Preisen und Gewinnern klicke man hier. Für weitere Bilder der Herrschaften hier.

Und während sich unmittelbar nach der Verleihung Teile der Filmprominenz dezent aus dem Saal stahlen, wurde für den restlichen Pöbel noch ein letztes Mal der Projektor angeworfen: Jack ist der Abschlussfilm des diesjährigen Filmfests und beschert nun jenen, die nichts weiter zu feiern haben, nochmals 103 Minuten in den dekadenten roten Sesseln des Staatstheaters.

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Jack

D 2014, 103 Minuten
Regie: Edward Berger
Mit: Ivo Pietzcker, Georg Arms, Nele Müller-Stöfen

Jack ist zehn. Er ist der ältere von zwei Söhnen einer Mutter, die selbst noch nicht älter als Mitte zwanzig ist – und sich auch genauso verhält, wie sich Mittzwanziger eben so verhalten – wenn sie keine Kinder haben. Dass das nicht gut gehen kann, wird relativ zügig relativ deutlich. Und es führt letztlich dazu, dass wir Jack – zunächst allein, später gemeinsam mit seinem kleinen Bruder – dabei zusehen, wie er versucht, sich ein bisschen kleine heile Welt im großen Berlin zurückzuerobern. Jack kommt ohne große Worte aus. Stattdessen leben die 103 Minuten Spielzeit von ihm und seiner Suche nach dem, was Kinder am Nötigsten brauchen. Geborgenheit.

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Der Abspann läuft und ich kann, wie so oft, noch nicht richtig wieder auftauchen.

Das ist auch so ein Phänomen im Kino: Ich verstehe nicht, wie Leute unmittelbar nach der letzten Sekunde Film – der Abspann läuft gerade erst an – schon wieder reden können. Noch dazu über das gerade Gesehene. Wenn der Film kein totaler Trash war, verdient er es, noch nachzuhallen – ohne dass er sofort zerquatscht wird. Dafür gibt es ja den Abspann. Für den Nachhall. Aus diesem Grund wird er auch meist noch mit Musik unterlegt, die, im Idealfall, die Stimmung der letzten Sekunden Film hinüberrettet, in die Aufwachphase. Jene Phase, in der man dem Film und der Stimmung noch nachspüren kann, während man vielleicht liest, wer beteiligt war und während man sich wieder daran erinnert, dass das Fiktion war, was man gerade gesehen hat. War ein Film nämlich richtig gut, hat man das zwischendurch vergessen. Wer allerdings nicht nachhallen lassen kann oder will – und das scheinen mir sehr oft sehr viele zu sein – der sollte dennoch aus Respekt denen gegenüber, die noch einen Moment brauchen, einfach mal die Luke dicht halten. Wer das Schweigen nicht ertragen kann, kann ja derweil was in sein Smartphone tippen. So zerschießt man denen, die noch hallen lassen, die Seifenblase nicht früher, als nötig. – Ich möchte deine Meinung erst hören, wenn ich meine eigene kenne. Danke.

Schließlich hilft aber alles nichts, der Abspann ist abgespannt und Jacks „Eltern“ Machura, Krüger, Berger und Heyer kommen auf die Bühne, um noch einmal die Werbetrommel zu rühren und ein paar Sätze über den Film zu verlieren. Blumensträuße und Lob werden verteilt und schließlich beendet Festivalleiter Torsten Neumann den Abend offiziell mit ein paar unspäktakulär wagen Sätzen zum Abschied. Große Redner klingen anders – und hätten das Ende vielleicht noch etwas mehr gemolken, aber wenn das Licht angeht und die Türen auf, versteht man auch ohne weitere Worte, dass das jetzt offiziell das Ende war.

Helicopter Mom

USA 2014, 89 Minuten
Regie: Salomé Breziner
Mit: Nia Vardalos, Jason Dolley, Mark Boone Jr.

Nachdem die Texter des Filmfestes alles, was man zu Helicopter Mom im Vorfeld vielleicht wissen müsste/könnte/sollte, bereits hier auf den Punkt gebracht haben, beschränke ich mich mal darauf, zu sagen, dass ich der helikopternden Mom eher mit rauer Oberfläche gegenüber saß. Das lag, um der Wahrheit die Ehre zu geben, aber nicht zuletzt auch daran, dass ich wegen einer Ticket-Panne den Saal bereits mit ziemlich dünnem Nervenköstum betreten habe. Der bunte, laute, und für meinen Geschmack leider auch sehr platte Vorspann – animierte Helikopter, die die Opening Credits einfliegen – wirklich?! – hat diesem Nervenkostüm dann den endgültigen Overload beschert und mich für die restlichen 85 Minuten auf Stand-by gelegt. Und obwohl hier der Vollständigkeit halber nicht verschwiegen sein soll, dass so ziemlich der ganze Saal wiederholt und herzlich gelacht hat, glaube ich dennoch, nichts Wesentliches verpasst und die Zeit mit einer die Augen betreffenden Ruhepause sinnvoll genutzt zu haben.

Shorts am Sonntag

Geneigte Leserschaft,

ich fürchte, mein Beitrag zu den Sunday Shorts wird vor allem eines sein: extrem subjektiv. Und damit meine ich, ich bemühe mich hier nicht einmal um so etwas wie Objektivität – oder sagen wir lieber: ausgeglichenes Berichten (denn dass das mit der Objektivität eh immer so eine Sache ist – es gibt sie nicht – wissen wir ja alle). Auch wird man mir vielleicht Ahnungslosigkeit vom Metier vorwerfen, denn das, was ich über die Shorts zu sagen habe, scheint so gar nicht mit den Meinungen übereinzustimmen, die ich bisher zu den verschiedenen Kurzfilmen so gelesen habe. Aber nur weil der Mainstream eine Meinung vertritt, heißt das ja nicht, dass ich keine andere haben darf.


Human Voice

IT 2013, 25 Minuten
Regie: Edoardo Ponti
Mit: Sophia Loren, Virginia Da Brescia, Enrico Lo Verso

Ein-Personen-Stück, bei dem hauptsächlich telefoniert wird. Will heißen, Sophia Loren, die „glanzvoll auf die Leinwand zurück“ kehrt, ist es, die hauptsächlich telefoniert. Wenn sie nicht gerade nebenbei Einrichtung zertrümmert, oder der Köchin Anweisungen fürs Abendessen gibt. Nun. Ich weiß, es ist Sophia Loren, die hier spielt. Sie wird bis heute als Diva gefeiert. Auch hat sie für ihre Darstellung in Pontis Short den Donatella Award erhalten. Jedoch: Telefonieren überzeugend zu spielen, ist nicht einfach. Und die Diva ist daran gescheitert. Obwohl die Idee von Human Voice so viel Kraft hätte haben können, verliert diese sich in Lorens rostiger Darstellung.

Den Trailer zu Human Voice gibt es hier.


Crashland

D 2014, 29 Minuten
Regie: RP Kahl
Mit: Elsbeth Maschke, RP Kahl, Laura Tonke

Obwohl ich vollstes Verständnis dafür habe, dass man seiner Großmutter ein Denkmal setzen möchte, weil man sie liebt und weil sie viel erlebt und daher auch viel zu berichten hat, wirkt die Umsetzung dessen in Crashland doch etwas planlos. Aufhänger des Films ist die Zwangsumsiedelung vieler in der Lausitz, um dem Tagebau Platz zu schaffen. Unter den vielen ist eben auch Frau Maschke, die in verschiedenen schwarz-weiß Sequenzen berichtet, wie das damals so war. Unterbrochen werden diese Sequenzen von aktuellerem Videomaterial, das RP Kahl und Laura Tonke beim Begehen des verlassenen Braunkohleabbaugebiets zeigen, während sie sich mehr oder minder tiefgründig darüber austauschen, dass das ja ganz schön schlimm ist, so viele Menschen zu entwurzeln, nur damit dort dann noch mehr Braunkohle abgebaut werden kann. Unter dem Aspekt Suche nach „Heimat, Identität und Liebe“ wird das Ganze dann irgendwie zusammengeschraubt und als Videoessay deklariert, in der Hoffnung, dass die haarsträubende Planlosigkeit bei der Ideenumsetzung, sowie der unterirdisch grottige Ton nicht weiter auffallen und der Film vielleicht sogar irgendwie als Kunst durchgeht.

Den Previewclip zum Videoessay Crashland gibt es hier.


Sweet Gin & Cold Wine

IRN 2014, 25 Minuten
Regie: Amin Maher
Mit: Amin Maher, Hoda Taheri

Für diesen Film kann ich keine Worte finden. Ich sehe mich an ihm gescheitert. Die Worte, die man beim Filmfest gefunden hat, lauten:

„Umgeben von den Verlockungen der glitzernden Welt westlicher Konsumkultur müssen Amin und Hoda ihre Beziehung immer wieder aus den Fesseln althergebrachter Moralvorstellungen befreien. Ein Streit, ein paar Gläser zu viel und Amin spielt sich in eine neue Beziehung – mit einer Schaufensterpuppe. Ganz im Gegensatz zu Hoda ist die Neue zu allem bereit. Und sie redet nicht so viel.

Ein verschmitztes Portrait einer jungen Generation im Aufbruch.“

Wenn man das so liest, ist das ziemlich schlüssig. Allein, erschlossen hat sich mir dies aus der Storyline des Filmes nicht – und das klingt deutlich ignoranter, als ich es meine.
Was ich meine, ist, ich hab das einfach nicht so richtig kapiert.
Ich verbleibe daher mit Verwirrung, sowie der Unfähigkeit, selbige trotzdem noch in einen credibilen Beitrag zu Mahers Short zu verwandeln.

Bag Boy, Lover Boy

Geschätzte Filmfest-Freunde,

vier Tage nach der Begegnung mit dem Samurai komme ich nun doch zu dem Schluss, dass ich mal wieder Raum für anderes in meinem Kopf schaffen sollte. So hat es auch bis heute morgen gedauert, dass ich verstanden habe, warum der Film, über den ich hier als nächstes ein paar Sätze verlieren will, Bag Boy, Lover Boy heißt. Ein bisschen armselig, ich weiß, aber wie bereits erwähnt, war mein Gehirn mit etwas anderem okkupiert. Der Film heißt deshalb Bag Boy, Lover Boy, weil schwarze Müllbeutel eine nicht ganz unwesentliche Rolle in dieser eher magenumdrehenden Story spielen. Nichts für schwache Gemüter, was Bag-Boy-Lover-Boy-Albert da treibt.

USA 2014, 77 Minuten
Regie: Andres Torres
Mit: John Wächter, Theodore Bouloukos, Kathy Biehl

Albert ist das, was man gemeinhin als Loser bezeichnen würde. Nasebohrend verkauft er nachts Hot Dogs in New York. Für Kunst hat er nichts übrig – bis er versteht, dass sie vielleicht der Schlüssel zu dem Herzen eines Mädchens sein könnte. Also nutzt er seine Chance, als diese in Form eines Fotografen, für den er modeln soll, seines Weges kommt – und versucht, mit Hilfe der Kunst das Mädchen zu erobern. Wie das aber nun mal meistens so ist, mit Mitteln zum Zweck, geht Alberts Plan zunächst nicht so recht auf. Was stattdessen aufgeht, sind Abgründe. Mehr als einer. Und während man beim Filmfest prophezeit, dass man Albert „mit Verzückung auf seinem Weg ins Desaster begleitet“, bestand meine verzückte Begleitung eher aus diversen Knoten, die mir vom Hals in die Magengrube gerutscht sind – zusammen mit dem Lachen, in das ich trotz aller düsteren Verdrehtheit der Storyline doch immer wieder kurz davor war auszubrechen. Wer also, ähnlich wie ich, durch den Fleischwolf gedrehten Körperteilen und in der Nase bohrenden Hot Dog Verkäufern nur einen mäßigen Grad an Verzückung entgegenbringen kann, aber dennoch beschließt, sich diese „Wiedergeburt des urbanen Undergroundkinos“ nicht entgehen zu lassen, der ist gut beraten, für die Vorstellung einen blickdichten Müllbeutel mit sich zu führen.

Der blaue Tropfen

Verehrte Leserinnen und Leser,

lasst es euch gesagt sein: Die Berichterstattung von einem Filmfestival ist nicht so leicht. Es bleibt einfach kaum Zeit zum Texten zwischen den Filmen. Erst recht nicht, wenn man von einem Film (in dem Fall tatsächlich, wie es der Slogan verspricht) völlig vom Sitz gekloppt wird. Zunächst mal braucht man eine Weile, bevor man mit seinem Kopf – und dem Rest, der da ja im Idealfall auch noch dran hängt – wieder in die Realität auftauchen kann. Wenn man das geschafft hat, dauert es eine weitere Weile, bis man überhaupt wieder in der Lage ist, mit seinen Gedanken Worte zu formen. Und eine dritte Weile dauert es, bis diese Worte auch nur entfernt etwas mit dem zu tun haben, was man gerade gesehen hat. Schließlich will man einem Film, der einen einmal auf links gedreht hat, auch gerecht werden – weswegen man seine Worte weise und mit Bedacht wählen möchte. Das braucht Zeit. Zeit, die man nicht hat, wenn in 20 Minuten bereits der nächste Film beginnt, den man sehen will/muss/sollte, und man noch einen 15-minütigen Fußweg zurücklegen muss, weil der betreffende Film in einer anderen Spielstätte läuft.

Ich habe in den vergangenen fünf Tagen alles versucht, um eine möglichst live-e und zeitnahe Berichterstattung zu erbringen – und bin gescheitert. Säße mir ein Redakteur im Nacken, der ein bestimmtes Interview oder eine Filmkritik in 15 Minuten in seinem Posteingang haben will, wäre es vielleicht anders gelaufen. Aber ich bin hier mein eigener Redakteur und ich habe entschieden, ich erlaube mir etwas mehr Zeit als in 15 Minuten. Ich kann noch nicht über Bag Boy Lover Boy, die Shorts am Sonntag, Helicopter Mom oder die Closing Night Gala und das dazugehörige Screening von Jack schreiben, weil mich der Samurai noch nicht hat gehen lassen. Ich sitze immer noch auf meinem Stuhl im theater hof/19 (obwohl die roten Sessel im Staatstheater doch deutlich bequemer sind?) und komme nicht los. Der blaue Tropfen Farbe hat mich mit seinen im Wasser ausflammenden Armen umfangen und hält mich, immer noch – sanft, aber entschlossen – fest. Und solange das so ist, erlaube ich mir, mich dem auch hinzugeben und die Worte zu den anderen Filmen erst dann zu suchen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. – Genauso, wie ich mir jetzt auch einfach mal erlaube, das nun genau so hier stehen zu lassen – obwohl es so bis zum Erbrechen esoterisch klingt.

Der Samurai

Kurzmitteilung

Shorty #7 // Der Samurai R: Till Kleinert

Wie ein Tropfen Blau, der in ein Wasserglas fällt und dort langsam wabernd Besitz von der Transparenz des Wassers ergreift, so ergreift auch der Samurai Besitz von Jakob und zieht nicht nur ihn, sondern auch uns so unheimlich und doch so lockend in seinen blutigen Bann.

Trailer: Der Samurai